INTERVIEW

Home  > 

Dr. Norbert Smetak:
Schirmherr der Initiative „Denk an dein Herz“

 

Liebe Patientin, lieber Patient,
das Herz ist das Metronom unseres Körpers: Schlägt es im richtigen Takt und Tempo, geht es uns gut. Leider sterben weltweit die meisten Menschen an Erkrankungen des Herzens und des Herz-Kreislauf-Systems. Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Diabetes zählen heute zu den gefährlichsten Volkskrankheiten. Die Initiative „Denk an dein Herz“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, darüber aufzuklären und zu informieren, was jeder selbst für seine Herzgesundheit tun kann. Auf dieser Website haben wir daher die wichtigsten Informationen rund um das Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzgesundheit für Sie zusammengestellt.

 

1. Herzerkrankungen sind weltweit die Todesursache Nummer eins. Wie kommt es zu koronarer Herzkrankheit (KHK), Angina pectoris oder einer Herzinsuffizienz? Wie unterscheiden sie sich? Was sind die Risikofaktoren oder Auslöser?

Dr. Smetak: KHK ist einfach die Beschreibung, dass die Herzkranzgefäße erkrankt und in der Regel verengt/verstopft sind. Neben erblicher Veranlagung spielen vor allem Rauchen, Bluthochdruck, hohes Cholesterin und die Zuckerkrankheit (Diabetes) eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Voranschreiten.

Angina pectoris heißt übersetzt: Enge der Brust. Diese tritt z. B. bei Verengungen der Herzkranzgefäße unter Belastungsbedingungen auf, wenn das Herz mehr leisten muss, aber nicht genügend Blut den Herzmuskel erreichen kann.

Eine Herzinsuffizienz ist eine Herzschwäche, d. h., der Herzmuskel kann nicht mehr genug Leistung erbringen. Das ist z. B. nach Herzinfarkten der Fall, wenn Muskelgewebe vernarbt ist, aber auch nach Entzündungen oder bei ständiger Schädigung des Herzmuskels durch Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit.

 

2. Welche Risikofaktoren gibt es? Wie hängen Lebensstil und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z.B. Bluthochdruck, zusammen?

Dr. Smetak: Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor. Er ist selbst eine Grunderkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, die allerdings oft jahrelang unerkannt bleibt, weil viele Patienten nichts davon bemerken. Unbehandelt ist Bluthochdruck eine tickende Zeitbombe, die irgendwann in Form eines Herzinfarkts, Schlaganfalls oder einer Herz- oder Nierenschwäche hochgeht. Wir wissen heute, dass ein falscher Lebensstil mit wenig Bewegung, ungesunder Ernährung, Rauchen und zu viel Stress für Bluthochdruck verantwortlich ist. Gelingt es, durch eine Änderung des Lebensstils einige der genannten Risikofaktoren auszuschalten, z. B. durch mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung, kann damit oft schon eine deutliche Senkung des Blutdrucks erreicht werden. Allein die Änderung des Lebensstils führt in manchen Fällen dazu, dass auf Medikamente gänzlich verzichtet oder zumindest die Dosis reduziert werden kann.

 

3. Und wie sieht es mit Diabetes oder zu hohen Cholesterinwerten aus?

Dr. Smetak: Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Patienten hat neben Bluthochdruck auch einen zu hohen Cholesterinspiegel und leidet darüber hinaus an Diabetes. Man spricht in diesem Fall vom sogenannten metabolischen Syndrom. Diese „Wohlstandskrankheit“ ist durch einen falschen und ungesunden Lebensstil bedingt. Wir bewegen uns zu wenig, essen zu viel und meist ungesunde Lebensmittel mit zu viel Zucker oder Fett. Kommen dann noch Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum hinzu, ist das metabolische Syndrom in vielen Fällen vorprogrammiert.

 

4. Wie kann man erkennen, ob man gefährdet ist, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln?

Dr. Smetak: Wichtig ist, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, vor allem, wenn man schon eine Grunderkrankung wie beispielsweise Bluthochdruck hat. Kommen dann noch Übergewicht oder hohe Blutfettwerte dazu, ist es zum metabolischen Syndrom nicht mehr weit. Durch eine regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, Cholesterinwert und Blutzucker kann die Entwicklung eines metabolischen Syndroms frühzeitig erkannt und durch entsprechende Maßnahmen gegengesteuert werden. Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und ausgewogener Ernährung wirkt sich positiv auf Blutdruck, Blutfettwerte und den Blutzucker aus, sodass diese Veränderung einen wesentlichen Faktor zur Vorbeugung eines metabolischen Syndroms darstellt.

 

5. Warum ist Rauchen so schädlich für das Herz?

Dr. Smetak: Genussgifte wie Nikotin schädigen auf Dauer die Gefäßwände. Langfristig fördert Rauchen die Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen bis hin zur chronischen Gefäßverkalkung, der Arteriosklerose. Außerdem wird durch das Rauchen die Blutgerinnung gesteigert. Das Risiko eines Herzinfarkts ist bei Rauchern um ein Vielfaches erhöht.

 

6. Welche Rolle spielt der Lebensstil bei der Entstehung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Dr. Smetak: Eine gesunde Lebensführung mit der Vermeidung zu großer Mengen von Genussgiften einschließlich Alkohol, der Vermeidung zu großer Stressbelastungen und gezieltes Ausdauertraining sind zentrale Bausteine sowohl bei der Vorbeugung als auch bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und natürlich des metabolischen Syndroms. Durch eine Änderung der Lebensweise kann man ernsthafte Spätfolgen, wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, oftmals verhindern. Und selbst bei Patienten, die bereits eine Herzerkrankung haben, spielt ein gesunder Lebensstil neben der medikamentösen Behandlung eine zentrale Rolle.

 

7. Wie viel körperliches Training ist notwendig, um einen positiven Effekt zu erzielen?

Dr. Smetak: Körperliches Training hat einen sehr guten Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System. Es geht hier vor allem um Ausdauertraining, wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Doch auch ein ausgedehnter Spaziergang in flottem Tempo, das den Puls etwas in die Höhe treibt, reicht aus. Man muss aber schon zumindest zwei- bis dreimal pro Woche 30 Minuten in Ausdauertraining investieren, um einen positiven Effekt zu erzielen. Wichtig ist, dass man es nicht übertreibt und die Intensität des Trainings an seine persönliche Situation und Kondition anpasst.